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Social Media

Ich hab ein AI-Gehirn gebaut. Rausgekommen ist: generische Scheiße.

6 min Lesezeit
Melvin S.

In den letzten Tagen hatte ich ja was zu Content geschrieben. Wegen drei Accounts und wie ich meine Social-Media-Strategie aufgebaut habe. Und im Kern bleibt das auch alles so. Aber mir ist aufgefallen, dass ich vielleicht doch wieder ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen bin.

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Was die letzten Tage wirklich passiert ist

Ich hatte mich hingesetzt und versucht, in meinem Obsidian-Setup einen Workflow zu bauen, der mir Content vorgibt. AI-Gehirn nenne ich das. Klingt cool. War es auch, technisch gesehen. Psychologische Trigger, Hooks, DNA-Würfel, drei Accounts, Automatisierung. Alles durchgeplant.

Aber wenn ich ehrlich bin: Es kam nur generische Scheiße raus.

Das, was da generiert wurde, war technisch korrekt. Die Frameworks haben gestimmt. Die Buzzwords waren da. Aber es hat sich angefühlt wie ein LinkedIn-Post von jemandem, der gerade einen Marketing-Kurs abgeschlossen hat. Glatt. Sauber. Und komplett austauschbar.


40 Minuten Videomaterial, und kein einziger Post

Gleichzeitig hatte ich auch viel an Videocontent gearbeitet. Locker 40 Minuten Material aufgenommen. Zu allem Möglichen: Warum Trader scheitern, was sie nicht sehen, Technologie, Spiritualität.

Die Idee war, das im Whiteboard-Format zu machen. Ich hab ja drei Whiteboards. Eins hängt an der Wand, die anderen zwei lagen seit Monaten unbenutzt rum.

Also hab ich mir gedacht: Wie schaffen es eigentlich die ganzen Creator, so eine geile Optik hinzubekommen? Probieren wir's.

Das Gimbal-Desaster

Ich war erst mal eine halbe Ewigkeit damit beschäftigt, mein Gimbal auf einer Erhöhung zu befestigen, damit es von oben drauf aufnimmt. Hat ewig gedauert. Fast eine Stunde nur fürs Setup.

Dann hab ich angefangen aufzunehmen. Fast eine Stunde Material. Und dann ist mir aufgefallen, dass jedes einzelne Video mehrere Gigabyte groß ist. Für ein paar Minuten. Das hätte Stunden gedauert, das hochzuladen.

Da hatte ich eigentlich schon keinen Bock mehr.


Zehn Baustellen gleichzeitig

Das Grundproblem ist immer das Gleiche bei mir: Ich mache zu viel auf einmal. Technik aufnehmen. Drei Accounts planen. Videos schneiden. Blog schreiben. Academy füllen. AI-System bauen. Und dann wundere ich mich, warum am Ende nichts fertig wird.

Die Sache mit den 10.000 Followern pro Account bis Ende des Jahres, das war ein bisschen hochgestickt. Nicht unmöglich. Aber unmöglich, wenn man gleichzeitig ein Produkt baut, einen Blog schreibt, Videos produziert, eine Academy füllt, Werbevideos rendert, ein AI-Content-System engineered UND drei Social-Media-Accounts von null hochzieht.

Das ist Selbstsabotage durch Overengineering. Und ich kenne das Muster. Ich hab es schon hundert Mal gemacht.


Generische Scheiße entsteht, wenn du dich selbst rausingineerst

Generische Scheiße kommt raus, wenn du versuchst, alles zu systematisieren. Wenn du ein System baust, das dir sagt, was du sagen sollst, anstatt einfach zu sagen, was du denkst.

Das AI-Gehirn an sich ist geil. Obsidian ist geil. Die Psychologie-Frameworks sind geil. Aber wenn ich anfange, mich selbst durch ein System zu ersetzen, dann kommt halt auch nur System raus. Und Menschen merken das.

Die besten Sachen auf diesem Blog sind die, bei denen ich einfach drauflosrede. Stream of Consciousness. Gedanken, unsortiert, unpoliert. So wie dieses Transkript, aus dem dieser Post hier entstanden ist.


Was jetzt?

Ich werde die drei Accounts nicht aufgeben. Die Strategie bleibt im Kern bestehen. Aber ich werde aufhören, den Content durch zehn psychologische Filter zu jagen, bevor er rausgeht.

Aufnehmen. Reden. Veröffentlichen. Und dann vielleicht nachträglich analysieren, warum es funktioniert hat oder nicht.

Authentizität kann man nicht engineeren. Man kann sie nur zulassen.

Und ja, das ist ein bisschen ironisch, wenn man bedenkt, dass ich erst vor einer Woche einen ganzen Blogbeitrag darüber geschrieben habe, wie ich auf Authentizität scheiße. Aber vielleicht ist genau das der Punkt: Auf Social Media kann ich polarisieren und triggern. Aber hier, auf dem Blog? Hier bin ich echt.

Melvin