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Markt & Trades

Trade-Update: EUR/USD Long – Warum ich jetzt auf Dollar-Schwäche setze

8 min Lesezeit
Melvin S.

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar, sondern dient ausschließlich als persönliches Projekt für diesen Blog. Jeder ist für seine eigenen Handelsentscheidungen selbst verantwortlich.

Kurzes Trade-Update. Ich werde im Laufe der Woche oder zum Ende der Woche noch ein umfangreiches Update zum kompletten Konto geben. Aber erstmal der aktuelle Stand und warum ich gerade im EUR/USD long bin.

Long Story Short: Wir hatten ein paar geile Trades, ein paar richtig clevere Setups, auch im GBP/AUD. Aber es sind eben auch einige Trades nicht aufgegangen. Overall bin ich von der vorletzten Woche leicht im Minus. Und bevor ich zum eigentlichen Trade komme, will ich kurz ehrlich sein, was in der letzten Zeit nicht funktioniert hat. Weil das gehört genauso dazu.


Was zuletzt nicht aufgegangen ist

Ich hatte unter anderem einen Trade im WTI (Öl) laufen. Der war eigentlich richtig schön aufgesetzt. Hatte auch schon Teilprofite genommen. Aber dann bin ich leider zu früh in den Break-Even gegangen und wurde rausgenommen. Das wäre ein richtig schöner Trade gewesen, wenn ich ihm etwas mehr Luft gelassen hätte. Im Nachhinein ist man immer schlauer, aber exakt solche Situationen sind es, an denen man wächst.

Und dann AUD/CHF. Der hat mich ehrlich gesagt richtig geärgert. Ich wurde genau am Top gefilled, also am absoluten Hochpunkt. Und danach hat der Kurs eigentlich genau das gemacht, was ich wollte: abgebaut, runter. Nur war ich da schon nicht mehr drin. Da hatte ich schlichtweg das Timing verkackt. Part of it, wie man so schön sagt. Das sind die Trades, bei denen man abends nochmal draufschaut und denkt: Die Analyse war richtig, die Richtung war richtig, aber die Ausführung war Müll.

Dazu werde ich aber in einem separaten Beitrag nochmal ausführlicher eingehen, wenn ich das Wochenend-Update zum kompletten Konto mache. Jetzt geht es erstmal um den nächsten Trade.


Der Trade: EUR/USD Long

Jetzt machen wir weiter. Und zwar mit Euro/US-Dollar Long. Das ist der aktuelle Fokus, und ich bin overall sehr positiv für dieses Setup gestimmt.

EUR/USD Chartanalyse – Daily mit AssetvsUSD Indikator
EUR/USD Chartanalyse – Daily mit AssetvsUSD Indikator

Ich finde den Euro gerade extrem spannend. Und um zu verstehen warum, müssen wir kurz schauen, was in der Weltwirtschaft passiert. Auf beiden Seiten des Atlantiks.


USA: Sticky Inflation und ein Dollar, der zu teuer geworden ist

Auf der US-Seite haben wir die Kerninflation, die recht klebrig bleibt. Irgendwo an der 3%-Marke klebt die fest und kommt nicht runter. Ehrlich gesagt ist das keine Überraschung. Der Markt hat das Mantra der Fed, dass die Zinsen länger höher bleiben, mittlerweile komplett eingepreist. Das heißt: Der Dollar ist auf Basis dieser Erwartung teurer geworden.

Aber hier wird es spannend: Die großen Fonds fangen an, ihre Dollar-Positionen abzubauen. Und das Lustige daran ist, dass diese Positionen ohnehin schon in einem ziemlich niedrigen Bereich waren. Da wird also nicht aus einer übermäßig bullishen Positionierung heraus verkauft, sondern aus einer bereits neutralen bis schwachen. Das ist ein ziemlich klares Signal, dass die Institutionellen dem Dollar derzeit nicht besonders viel zutrauen.

Dollar Index (DXY) – 12h Chart mit COT-Daten und Saisonalität
Dollar Index (DXY) – 12h Chart mit COT-Daten und Saisonalität

Der Dollar Index zeigt das ganz gut. Die COT-Daten stehen auf Strong Bearish für den Dollar. Der COT Retail Pro zeigt Sell-Signale. Die Saisonalität sieht ebenfalls nicht rosig aus. Alles zusammen ein Bild, das mir sagt: Der Dollar steht unter Druck. Und wenn der Dollar unter Druck steht, profitieren die Gegenwährungen. Allen voran der Euro.


Europa: Die EZB-Überraschung

Und dann blicken wir mal auf Europa. Hier gab es in den letzten Wochen unerwartete Inflationszahlen. Die Inflation ist wieder auf 1,9% hochgeschossen. Das wollte eigentlich niemand sehen, am wenigsten die EZB.

Die EZB hat daraufhin reagiert und ihre Inflationsprognose auf 2,6% nach oben korrigiert. Und jetzt kommt der entscheidende Punkt: Eigentlich waren für dieses Jahr weitere Zinssenkungen eingeplant. Aber ich denke, aufgrund dieser unerwarteten Inflation sind die erstmal vom Tisch.

Und was passiert, wenn Zinssenkungen vom Tisch sind? Die Zinsdifferenz zwischen dem Euro-Raum und den USA schrumpft weniger stark als erwartet. Der Euro wird plötzlich wieder attraktiver als Anlage. Denn am Ende sucht Geld immer die beste Rendite. Und wenn Europa keine Zinssenkungen macht, während die USA möglicherweise irgendwann doch senken müssen, dann ist der Euro plötzlich das attraktivere Spiel.

Euro FX Futures – 12h Chart mit COT-Daten und Saisonalität
Euro FX Futures – 12h Chart mit COT-Daten und Saisonalität

Die COT-Daten für den Euro-Future bestätigen genau dieses Bild. Das Sentiment steht auf Strong Bullish. Die Saisonalität zeigt nach oben. Die Positionierung gibt ein klares Signal.


Retail als Kontra-Indikator

Dazu kommt noch etwas, was mir richtig gut ins Bild passt: Retail tendiert dazu, weiter Long im US-Dollar zu gehen. Die Masse setzt also weiter auf einen starken Dollar. Und wer mich kennt oder meine früheren Beiträge gelesen hat, der weiß: Die Retail-Positionierung ist für mich ein Kontra-Indikator. Wenn die Mehrheit der Kleinanleger in eine Richtung steht, tendiert der Markt dazu, genau das Gegenteil zu machen.

Und das passt gerade alles ganz geil zusammen. Institutionelle bauen Dollar-Positionen ab, der Euro-Future zeigt Strong Bullish, Retail steht auf der falschen Seite, und die EZB hat mit ihrer Inflations-Überraschung die Zinssenkungen erstmal kassiert.


Die Position im MetaTrader

Hier der aktuelle Trade im MetaTrader:

EUR/USD Long Position – Entry bei 1.15274, SL bei 1.14849, TP bei 1.17435
EUR/USD Long Position – Entry bei 1.15274, SL bei 1.14849, TP bei 1.17435

  • Instrument: EUR/USD
  • Richtung: Long (Buy 0.4)
  • Entry: 1.15274
  • Stop-Loss: 1.14849 (-170 USD / -425 Points)
  • Take-Profit: 1.17435 (+864 USD / +2161 Points)
  • Risk-Reward: ca. 1:5

Das Risk-Reward ist mit 1:5 richtig sauber. Das ist genau die Art von Trade, auf die ich warte: klare These, starke Datenlage, und ein Setup, bei dem der mögliche Gewinn den möglichen Verlust deutlich überwiegt.

Kontoübersicht im MetaTrader – Position aktuell im Plus
Kontoübersicht im MetaTrader – Position aktuell im Plus

Aktuell steht die Position leicht im Plus. Kontostand liegt bei $2.289, Equity bei $2.322. Aber das ist noch der Anfang. Jetzt heißt es abwarten und den Markt machen lassen.


Ein Wort zum Risiko

Was ich an dieser Stelle offen sagen will: Mir ist sehr bewusst, dass das Risiko, mit dem ich derzeit trade, extrem hoch ist. Wir reden hier von fast 10% pro Trade. Das ist kein Risiko, das ich irgendjemandem empfehlen würde. Unter keinen Umständen.

Ich sage das nicht, um mich cool darzustellen oder um damit zu prahlen. Im Gegenteil. Ich sage das, weil es ehrlich ist. Ich weiß, welche Konsequenzen dieses Risiko mit sich bringt. Ein paar Verlierer am Stück, und das Konto ist deutlich angeschlagen. Das ist Realität, keine Theorie.

Was mir in den letzten Wochen allerdings aufgefallen ist: Meine emotionale Bindung zu diesen Trades und diesen Risiken ist derzeit ehrlich gesagt kaum vorhanden. Und ich meine das so, wie ich es sage. Kein Herzrasen, keine schlaflosen Nächte, kein ständiges Handychecken. Ob das gut oder schlecht ist, darüber kann man diskutieren. Aber es zeigt mir, dass ich mir meiner Fähigkeiten und meiner Risikobereitschaft sehr bewusst bin. Und solange das der Fall ist, behalte ich dieses High-Risk-Profil erstmal bei. Risk takers are money makers – oder wie war das nochmal? Passt vielleicht nicht ganz hier rein, aber sonst wäre es ja langweilig. Manchmal sagt mir eine Stimme, dass man einfach mal die Eier auf den Tisch knallen muss. Ich bin da guter Dinge, dass irgendwas auf meiner Seite ist. Und irgendwo muss ja die Liquidität für den Big Bang generiert werden.

Mal schauen, wo mich das hinführt. In den nächsten Wochen kommen auch wieder deutlich mehr Updates zu Trades. Damit die Leute auch ein bisschen mehr zu lesen haben. Und sich vielleicht auch ein bisschen freuen können, wenn das Ding in den Keller fliegt und ich vermelden muss, dass ich den Account gecrasht habe. Oder vielleicht auch nicht. Wir werden sehen.


Fazit

Ja, es hat in den letzten Wochen bei ein paar Trades gekracht. WTI zu früh geschlossen, AUD/CHF am Top gefilled. Das passiert. Es gehört zum Trading dazu, und ich werde das in einem separaten Beitrag nochmal detaillierter aufarbeiten.

Aber der Blick geht nach vorne. Der EUR/USD Long steht, die These ist klar: Dollar unter Druck, Euro durch die EZB-Überraschung gestärkt, COT-Daten auf beiden Seiten bestätigen das Bild, und Retail steht als Kontra-Indikator auf der Gegenseite. Ausgang offen, aber ich mag dieses Setup.

Zum Ende der Woche gibt es dann das vollständige Konto-Update.

Melvin